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24.11.2017 : 8:21 : +0100

Schildkrötpuppen

Käthe Kruse (* 17. September 1883 in Breslau als Katharina Simon; † 19. Juli 1968 in Murnau am Staffelsee), war eine der weltweit bekanntesten Puppenmacherinnen. Ihre Puppen sind heute beliebte Sammlerstücke, die zu exorbitanten Preisen gehandelt werden.

Auf dem Monte Verità bei Ascona, wohin Max Kruse sie 1904 gebracht hatte, fing sie an Puppen für ihre Kinder zu basteln. Kruse hatte sich geweigert, eine der damals handelsüblichen Puppen zu kaufen, da sie ihm nicht gefielen. Zitat: „Ick kof euch keene Puppen. Ick find se scheißlich. Macht euch selber welche.“

Erst 1910 heiratete das Paar, das inzwischen bereits drei Töchter hatte. Im selben Jahr wurden Käthe Kruses Puppen im Berliner Warenhaus von Hermann Tietz erstmals öffentlich ausgestellt. Da diese so schön gelungen waren, musste sie die Puppen auch für andere Interessenten herstellen. Zu Anfang waren sie noch schlicht und einfach. Da Käthe Kruse aber kreativ und kunstfertig war und hohe Ansprüche an ihre Arbeit stellte, wurden die Puppen immer schöner.

Als Kruse ihre Herstellung perfektioniert hatte, entwarf und fertigte sie Puppen, die ihren eigenen Kindern nachempfunden waren. Die Natürlichkeit der kleinen Geschöpfe machte Käthe Kruse schon bald bekannt und berühmt.

Zwei Aufträge aus Amerika, einer über 150 Stück, der andere kurze Zeit später über 500 Puppen, erforderten eine eigene Werkstatt mit Angestellten. Die Familie zog 1912 von Berlin nach Bad Kösen, wo in Zukunft die bald weltberühmten Puppen in Handarbeit hergestellt wurden und ihren Siegeszug antraten.

Doch die Einzigartigkeit war in Gefahr. Die damals übliche Art, Produkte zu kopieren, blühte auch den Käthe-Kruse-Puppen. Doch „ihre Mutter“ war eine Kämpferin und 1925 gewann sie, zum Entsetzen der Spielzeugindustrie, den Prozess um die Urheberschaft ihrer Puppen. Der Betrieb wurde immer größer, und so wurden auch die in der Zwischenzeit sieben Kinder der Familie Kruse in die Produktion oder den Haushalt eingespannt. 1934 begann Käthe Kruse auch Schaufensterpuppen herzustellen.

Ein weiterer Höhepunkt in ihrem Schaffen war die Teilnahme an der Pariser Weltausstellung 1937. Käthe Kruse war an Politik eher desinteressiert, passte sich an, soweit sie es für (geschäftlich) geboten hielt. So stellte sie unter anderem auch Soldatenpuppen her und begrüßte den Besuch Hjalmar Schachts an ihrem Stand im deutschen Pavillon bei der Weltausstellung. Sie hielt daneben aber z. B. brieflichen Kontakt zu emigrierten jüdischen Freunden und weigerte sich, „halbjüdische“ Angestellte zu entlassen. Während des Krieges wurde es schwieriger, das Material für die Herstellung ihrer Puppen in Deutschland zu bekommen, auch das Auslandsgeschäft kam praktisch zum Erliegen. Sie verlor im Zweiten Weltkrieg zwei ihrer Söhne, 1942 starb ihr Mann.

Nach dem Krieg war die Puppenproduktion in der sowjetisch besetzten Zone kaum mehr möglich. 1952 wurde ihr Unternehmen in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. So gründeten zwei von Käthes Söhnen, darunter der Kinderbuchautor Max Kruse, Werkstätten in Bad Pyrmont und Donauwörth. Sie selbst ging 1954 in die Bundesrepublik Deutschland. Die von Käthe Kruse entworfenen Modelle blieben erhalten, und immer noch waren die Puppen handgearbeitet. Doch ihre Erfinderin war aus Altersgründen nicht mehr an der Produktion beteiligt. Zusammen mit ihrer ältesten Tochter Maria verbrachte sie ihre letzten Jahre in München. Sie starb am 19. Juli 1968 in Murnau/Obb. und wurde in Ebenhausen im Isartal begraben.